FROHE OSTERN

Liebe Präsides, liebe Kolpingsschwestern und –brüder im Diözesanverband!

Dieses Bild aus der Gießener St. Bonifatius-Kirche ist schon ein paar Jahre alt, aber ich nehme es gerne, um meinen Ostergruß an Euch mit einer hoffnungsvollen Botschaft zu schmücken. In diesem Jahr ist ja alles anders: wir können nicht zur Feier der Heiligen Drei Tage vom Leiden, Sterben und von der Auferstehung Jesu zusammenkommen, es sei denn in den Hausgemeinschaften. Damit rücken wir ganz in die Nähe der Jüngerinnen und Jünger Jesu während der Tage des Leidens, Sterbens und Auferstehens des Herrn. Auch sie waren in alle Himmelsrichtungen zerstreut, Petrus, der noch nahe dran war, hatte Jesus verleugnet, und am Ende bleiben Maria und Johannes, der Jünger, den Jesus liebte, unter dem Kreuz. Alle anderen sind irgendwo. Das Evangelium der Osternacht und des Ostersonntags verkündet zunächst Verwirrung, Angst und Schrecken und vor allem dies: „Der Engel sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen. Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.“ (Mt 28, 5-8) In der Fortsetzung begegnet der Auferstandene den Frauen auf dem Weg. Auch er sagt zu ihnen „Fürchtet euch nicht!“ Vielleicht spürt Ihr, liebe Schwestern und Brüder, auch, dass wir von dieser Situation gar nicht weit entfernt sind: der Ort, wo wir sonst das Gedächtnis des Leidens und der Auferstehung Jesu feiern, ist nicht zugänglich; gemeinschaftliches Gedenken, Gebet und Feiern ist nicht möglich. UND DOCH IST JESUS AUFERSTANDEN! Felsenfest sagt es der Apostel Paulus: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer, leer auch euer Glaube. … Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden; und auch die in Christus Entschlafenen sind dann verloren. Wenn wir allein für dieses Leben unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben, dann sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen. Nun aber ist Christus auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen…. (1 Kor 15, 14.17-20) Diese Gewissheit des Glaubens dürfen wir von Paulus und den Evangelisten übernehmen. Der Auferstandene wird uns entgegenkommen: in unserem Alltag, in unseren Begegnungen (auf Sicherheitsabstand) und in unseren Gebeten, und seine Zusage gilt: „Fürchtet Euch nicht!“ Mit diesem Gedanken wünsche ich Euch intensive und gesegnete Kar- und Ostertage. Das Bild aus St. Bonifatius nimmt die Spannung auf, in der wir stehen: die Fensterrose, die jeder beim Hinausgehen aus der Kirche sieht, erinnert an die Vollendung, auf die wir zugehen – jetzt ist sie nicht klar zu erkennen, aber sie ist da. Und die Natur liefert uns in diesen Tagen sicher das deutlichste Zeichen dafür, dass das Leben siegen wird. Am Ostersonntag wird es um 12.00 Uhr bundesweit ein ökumenisches Osterläuten geben. Das wird uns untereinander in der Freude über die Auferstehung und in der Hoffnung auf den Sieg des Lebens verbinden. Gern gebe ich Euch noch das berühmte Gedicht von Shalom Ben Chorin aus dem Jahr 1942 mit: es trägt die Überschrift „Das Zeichen“ – so spricht ein jüdischer Dichter vom Sieg des Lebens: Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht in Fingerzeig, dass die Liebe bleibt? Dass das Leben nicht verging, so viel Blut auch schreit, achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit. Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht. Doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht. Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt, das bleibt mir ein Fingerzeig für des Lebens Sieg. Und unsere orthodoxen Schwestern und Brüder werden sich auch in diesem Jahr gegenseitig mit den Worten grüßen: „Der Herr ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaft auferstanden!“ Euch und allen die zu Euch gehören, wünsche ich gesegnete und zuversichtlich-frohe Kar- und Ostertage!

Euer Hans-Joachim Wahl, Diözesanpräses

St. Bonifatius Gießen

Bild: pfarrbriefservice - Martin Maingatterer